Do, 12.08. - Open Air Kino-Nächte 2010 am Schloss Gottesaue
Sin nombre
"Sin Nombre" zeigt, wie ein Erstlingsfilm aussehen kann: handwerklich souverän, formatiert in Cinemascope, unsentimental und hart, aber doch voller Menschlichkeit. Fukunagas geradliniges Drehbuch beginnt in Mexiko, mit dem brutalen Aufnahmeritual in die Mara Salvatrucha, der größten und gefährlichsten Gang der Welt. Hauptfigur ist El Casper, der seinem Gangleader Lil' Mago verheimlicht, dass er ein Mädchen mehr noch als die Mara liebt. Ihr Name ist Martha Marlene und sie ist der Grund warum er in letzter Zeit seine Aufgaben vernachlässigt. Ein Unfall, verursacht durch einen Schlag Lil' Magos, tötet das Mädchen kurz vor der Vergewaltigung und bringt El Caspers Welt zum Einsturz. "Du findest eine andere", resümiert der Anführer lapidar und setzt seine These beim Überfall auf einen Zug mit Flüchtlingen aus Mittel- und Südamerika selbst in die Tat um. Doch dieses Mal schreitet El Casper ein, tötet den Gangleader, bevor dieser die junge Honduranerin Sayra missbrauchen kann. Der Beginn einer überraschenden Zuneigung, für die der Film keinen Namen finden muss. Aber auch der Anfang vom Ende El Caspers, nach dem jetzt der lange Arm der Mara greift. Ohne große Worte etabliert Fukunaga Kodex und Zusammenhalt der Mara, aber auch die Ausnahmestellung des Protagonisten, der seinen Wert im Schutz für eine völlig Fremde erkennen lernt.
Kitschfrei ist diese Beziehung entwickelt, in ein authentisches Umfeld eingebettet, in denen die Flüchtlinge vom amerikanischen Paradies träumen, in denen gerade aber die Gangs, die sie hier terrorisieren, ihre Wurzeln haben. Die Mara, die unlängst durch die Ermordung des Filmemachers Christian Poveda ("Mi Vida Loca") Schlagzeilen machte wirft einen furchterregend realistischen Schatten über diese nie belehrende oder exzessiv gewalttätige, stets der Unterhaltung verpflichtete Reise durch unterschiedliche Gefühlswelten, durch Verrat, Vertrauen und die Armenhäuser Mittelamerikas.
Vergleiche mit „Amores Perros“ und „City of God“ drängen sich auf und doch ist dieser Film ganz anders. Ein intensives und schonungsloses Regiedebüt voller Poesie. Eindrucksvoll gespielt, wunderschön gefilmt und mit stimmungsvoller Musik untermalt. Eine rundum gelungene Inszenierung.
Mexiko / USA 2009
Regie: Cary Fukunaga
Darsteller: Paulina Gaitan, Édgar Flores, Kristian Ferrer, Tenoch Huerta, Diana Garcia, Luis Fernando Peña
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 
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